Trauerhilfe spenden

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Freunde und Angehörige bei der Trauerbewältigung unterstützen

Der Verlust einer nahestehenden Person ist ein einschneidendes Erlebnis, was nicht nur das eigene Leben stark verändert, sondern auch eine Zäsur für andere bedeutet. Manchmal ist es so, dass die Trauer ganz unterschiedlich ausfällt und der eine mehr trauert als der andere, was nicht zwangsläufig damit zu tun hat, dass die Beziehung enger war oder stärkere Gefühle zwischen der trauernden Person und dem Verstorbenen bestanden. Jeder Mensch ist anders und so fällt auch die Trauer bei jedem unterschiedlich aus. 

Wenn ein Angehöriger oder enger Freund trauert, ist das oft schwer zu ertragen. Die Hilflosigkeit, die einem als Freund des Trauernden entgegenschlägt, ist nicht einfach zu bewältigen – schließlich ist der Wunsch dem geliebten Menschen zu helfen, fest in uns verankert. Bei der Trauer jedoch ist es schwierig, es erfordert viel Einfühlungsvermögen, Verständnis und auch ein dickes Fell hin und wieder. Dennoch ist es gut, einen Freund zur Seite zu haben, der begleitend zur Seite steht und durch die eigene Trauer hindurch hilft.

Jeder Trauernde ist anders

Zunächst sei gesagt, dass die Trauer sich nicht beschleunigen lässt. Die Bewältigung des Todes eines geliebten Menschen ist ein langer, steiniger Weg, der für jeden anders ist. Experten teilen diesen in vier Phasen auf.


  • Die Akut - Phase
  • Die Realisierung
  • Der langsame Neubeginn
  • Der Blick in die Zukunft


  • Dabei braucht jede Phase ihre eigene Unterstützung, da bei dem Trauernden jeweils etwas anderes geschieht. Während der Akut-Phase, nach dem Tod, befindet sich der Mensch in einem Schockzustand, der wie eine Trance anmuten kann. Die Geschehnisse werden verdrängt. Dieses Ausblenden ist ein Schutzmechanismus des Körpers, der ihn selbst schützen soll. In dieser Zeit ist der Trauernde meist unfähig Alltagsdinge anzugehen. In diesen Tagen zusätzliche Lasten von ihm fern zu halten, für ihn einkaufen zu gehen, zu kochen und einfach da zu sein, ist das Beste, was Freunde tun können. Diese Phase dauert oftmals bis zur Trauerfeier und der Bestattung an und durch die vielen Entscheidungen und Erledigungen, die in dieser Zeit zu treffen sind, kann die Verarbeitung meist noch gar nicht einsetzen. Mit der Trauerfeier beginnt dann oftmals die zweite Phase der Trauerbewältigung – die Realisierungsphase.

    Starke Gefühle annehmen können und hartnäckig bleiben

    Während dieses zweiten Abschnitts der Trauer beginnt der Trauernde zu realisieren was geschehen ist. Diese Realität trifft ihn oftmals mit einer Wucht, die vor allem Außenstehende, die noch keinen so nahestehenden Menschen verloren haben, nicht nachvollziehen können. Diese Trauer wirkt sich nicht nur seelisch, sondern oftmals auch körperlich aus. Es kommt häufig zu Schlafstörungen, Essstörungen, Appetitlosigkeit, starker Verzweiflung und zu heftigen Gefühlsstürmen – beinahe so, als kämen nun die gesamten Gefühle zum Vorschein, die während der ersten Trauerphase verdrängt und unterdrückt waren.

    Für Angehörige des Trauernden ist diese Phase die wohl schlimmste. Das Verhalten kann oft irrational erscheinen, die Wechselbäder der Gefühle stellen sie vor eine große Herausforderung. Schließlich ist der Trauernde plötzlich nicht mehr einzuschätzen – keiner weiß, was in der nächsten Minute passiert. Oder das Gegenteil ist der Fall: Der Trauernde möchte alleine sein, gräbt sich einsam zu Hause ein und zeigt keinerlei Regung. Auch das gehört dazu, kann aber auch ein Zeichen dafür sein, dass der Schockzustand noch nicht nachgelassen hat.

    Es gibt kein Patent-Rezept für diese Zeit der starken Gefühle. Wer dem Trauernden in dieser schweren Zeit beistehen möchte – und das sollte jeder tun, der ihm nahe steht, denn genau das ist es, was der Trauernde braucht – braucht ein dickes Fell. Denn es kann durchaus passieren, dass auch den Freunden, die Beistand leisten möchten, starke Gefühle entgegenschlagen und das Bemühen vehement abgelehnt wird. Es ist wichtig, diese Zurückweisung nicht persönlich zu nehmen, sondern sie vorwurfsfrei anzunehmen. Jedoch ist es genau so wichtig dranzubleiben. Auch nach der fünften Zurückweisung braucht der Trauernde jemanden, der ihm seine Hilfe anbietet. Darüber hinaus ist es wichtig, jede Gefühlsregung ernst zu nehmen. Alles hat seine Berechtigung, ob Wut, Hass, Traurigkeit oder Selbstmitleid. Auch Neid auf Freunde, die ihren Partner noch haben oder nicht diesen nahestehenden Menschen verloren haben, kann aufkommen.

    Experten der Trauerhilfe raten für diese Phase Gesprächsbereitschaft zu signalisieren, zuzuhören, auch wenn das Gespräch sich tagelang um den Verstorbenen dreht und bereits zum dritten Mal die gleiche Geschichte erzählt wird. Einfach offen zu fragen, ob die eigene Hilfe und Anwesenheit gewünscht ist und auch die Hilflosigkeit zuzugeben, die einem angesichts des Trauernden entgegenschlägt, kann ebenfalls helfen, den Umgang zu erleichtern. Es zeigt dem Trauernden, dass seine Bedürfnisse ernst genommen werden und niemand ihm eine „Heilung“ aufzwingen möchte. Neue gemeinsame Rituale einzuführen, die Struktur bieten und einen Weg in das Leben nach der Trauer anzeichnen, ist ebenfalls ein Schritt in die richtige Richtung.

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    Der Rückzug in die Einsamkeit, das Innenleben und das Verschließen vor der Außenwelt gehört dazu. Freunde müssen das verstehen. Sie sollten jedoch die Zurückweisung nicht als solche sehen, sondern es immer wieder versuchen.            

    Neue Orientierung finden

    Durch die Zeit der starken Gefühle, das intensive Durchleben der Vergangenheit mit dem Verstorbenen und das Hadern mit sich selbst formt der Trauernde langsam ein Bild von dem Verstorbenen, mit dem er weiter leben kann. Der gemeinsame Lebensweg wird auf gewisse Weise als dieser gespeichert – es muss jedoch ein neues Konzept her, mit dem weitergelebt werden kann. Dabei formt sich der Trauernde sozusagen eine Form der Erinnerung und des Umgangs mit dem Tod, der es ihm ermöglicht, ohne den anderen weiter zu leben ohne ihn vergessen zu müssen. Aber das „im Herzen tragen“ muss erst gelernt werden. Vor allem für trauernde Kinder ist dieser Schritt ein schwerer, der intensiv durchlebt wird und oftmals mit extremer Zurückgezogenheit einhergeht.

    Das passiert vor allem durch die intensive zweite Phase der Trauer. Ist diese abgeschlossen, beginnt der Körper langsam wieder einen normalen Rhythmus aufzunehmen. Der Mensch wird wieder berechenbarer und vielleicht auch auf gewisse Weise „erträglicher“ für seine Mitmenschen. Auch wenn das Gefühlschaos zurückkommen mag, ist es nun nur noch abgeschwächt. Der Trauernde wendet sich wieder mehr der Außenwelt zu und verlässt so langsam seinen Kokon der allumfassenden Trauer. Erste Momente der Freude kommen zurück, ein Lachen und vielleicht sogar die Vorstellung, dass ein Leben ohne den Verstorbenen wirklich möglich ist.

    Auch hier kommen Freunde und Bekannte ins Spiel, die den Trauernden bei den ersten Schritten nach draußen begleiten. Es kann schwerfallen, den Weg in die Außenwelt zu gehen, nicht selten hat sich der Trauernde tatsächlich über Wochen zurückgezogen und hat das Haus nicht verlassen. Da zu sein und diese Schritte gemeinsam zu gehen, ist eine wertvolle Unterstützung bei dieser Phase der Neuorientierung. Zeit spenden, Rituale zu entwickeln und auch Ideen zu neuen Unternehmungen einzubringen, sind hilfreich in dieser Zeit. Auch hier kann es jedoch vorkommen, dass der Trauernde noch nicht bereit ist für die vorgeschlagenen Aktivitäten. Verständnis ist nach wie vor ein wichtiger Faktor, genauso wie keine Vorwürfe aufkommen zu lassen.

    Der Weg in ein neues Leben

    Sind die ersten Schritte getan, beginnt das Leben nach und nach wieder Fahrt aufzunehmen. Die schweren Wochen und Monate, die wie ein Stillstand, eine Verlangsamung der Zeit erscheinen, sind ein Teil von dem Trauernden geworden, aber die Normalität kehrt – wenn auch in einer neuen Form – schlussendlich zurück. Den Verlust zu bewältigen ist ein schwerer Schritt, deshalb sollten Freunde und Angehörige ihren Stolz zeigen, dass der Trauernde es geschafft hat. Vorwürfe aus der Vergangenheit haben auch hier keinen Platz - über das Verhalten hinweg zu sehen, das der Trauernde in den schweren Wochen an den Tag gelegt hat - ist der beste Weg. Irgendwann ist schließlich jeder in einer solchen Situation, so dass das Verständnis quasi ein Vorschuss auf das war, was irgendwann zurück kommen wird. Sicher ist: Es zusammen geschafft zu haben, schweißt alle Beteiligten näher zusammen, so dass es hinterher möglich sein wird, sowohl mit einem lachenden als auch einem weinenden Auge auf die gemeinsame Zeit mit dem Verstorbenen, aber auch die Zeit der Trauer zurück zu schauen.

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    Schlusswort

    Wichtig ist, dass der Trauernde in keiner Phase der Trauerbewältigung überfordert wird. Es hilft, wenn Freunde und Bekannte Probleme in dieser Zeit von ihm fernhalten und auch Alltagsaufgaben übernehmen. Außerdem sollte genau die Zeit gelassen werden, die der Trauernde zur Verarbeitung braucht. Rückschritte gehören dazu, und keine „Phase“ verläuft gradlinig. Und auch, wenn viele Trauerphasen nach diesem Schema ablaufen, ist es kein „Schema F“ was bei jedem, der den Verlust eines geliebten Menschen bewältigt, abgespielt wird. Manchmal setzt die Trauer erst viel später ein oder kommt mit einer Wucht zurück, die so nicht geahnt war. Für den Fall, dass wirklich ernsthafte Probleme auftauchen, tiefgehende Depressionen auftreten, eine ernste Schlaf- oder Essstörung über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten wird oder auch die Gefahr zur Abhängigkeit zu erkennen ist, ist es sinnvoll professionelle Hilfe hinzuzuziehen. Menschen, die speziell für diese Situationen ausgebildet sind, den Prozess schon öfter miterlebt, oder selbst durchgemacht haben, können mit mehr Rat und Tat zur Seite stehen und auch eine professionelle Distanz wahren, die Freunde und Angehörige in diesem Moment vielleicht nicht haben. Für den Trauernden da zu sein, ihm Zeit, Ruhe und Trost zu schenken, ist jedoch immer richtig. So findet er am Ende den Weg aus der Trauer und schafft es, ein Leben nach dem Tod des geliebten Menschen zu beginnen, was vorher unmöglich schien – irgendwann wird er dafür dankbar sein. 

                                                               

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