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Bestatter und Corona

Bestatter und Corona

Bislang sind Bestatter nicht in den Gruppen vertreten, die besonders schnell gegen Corona geimpft werden sollen. Nicht in allen Bundesländern sind Bestatter als systemrelevant eingestuft. Dabei ist die Gefahr für Mitarbeiter in Bestattungsinstituten, sich bei ihrem täglichen Umgang mit den Verstorbenen anzustecken, größer als in vielen anderen Berufsgruppen. 

Verstorbene werden von Bestattern generell hygienisch versorgt, gewaschen und angekleidet. So können sich Angehörige noch einmal verabschieden, oft am offenen Sarg in einer Aufbahrung. Dieser Abschied ist in der Trauer eine wichtige und hilfreiche Erfahrung und wird in der Trauerbegleitung empfohlen. Das ist wegen Corona derzeit kaum möglich. Noch nicht einmal in Hospizen oder Altenheimen und Krankenhäusern können sich Angehörige heute von ihren Lieben verabschieden. Besuchsverbote belasten nicht nur die Sterbenden, sondern auch ihre Angehörigen. Oft sitzen dem Bestatter Angehörige gegenüber, die den Verstorbenen wochenlang nicht sehen durften und auch jetzt keinen Abschied nehmen können. Das stellt auch für die Mitarbeiter in den Bestattungsinstituten eine besondere Herausforderung dar. 

Bestatter sind von Berufs wegen darauf vorbereitet, Verstorbene hygienisch zu versorgen und damit auch mit bisher schon meldepflichtigen Infektionsgefahren umzugehen. Obwohl sie also entsprechend ausgebildet sind, schafft der Umgang mit COVID-19 noch einmal neue Herausforderungen, denn nicht immer sind mit COVID-19 infizierte verstorbene Menschen entsprechend gekennzeichnet. Es wird davon ausgegangen, dass das COVID-19 Virus noch mehrere Tage im Körper eines Verstorbenen aktiv sein kann.

Die tägliche Arbeit in den Bestattungsinstituten wird dadurch erschwert und definitiv auch gefährlicher. Bestatter haben oft Kontakte zu Mitarbeitern von Hospizen, Krankenhäusern oder Altenheimen, die alle einem erhöhtem Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Aus dem Umfeld von an COVID-19 verstorbenen Menschen geht allgemein eine größere Gefahr der Ansteckung aus. 

Bestatter brauchen die Einstufung als systemrelevant im Umgang mit COVID-19

Eine Einstufung als systemrelevant in allen Bundesländern würde Bestattern den Zugang zu Schutzmaterial oder Desinfektionsmittel erleichtern und es ihnen ermöglichen, eine Notbetreuung ihrer Kinder in Anspruch zu nehmen. Arbeiten im Homeoffice ist für diese Berufsgruppe nicht möglich.

Bestatter leisten zu Zeiten von Corona noch mehr als sonst und kommen dabei oft bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Physisch und psychisch stellt das eine besondere Belastung dar, die von der Gesellschaft entsprechend gewürdigt werden sollte. 

Für die Angehörigen ist es in der Regel eine große Erleichterung, durch Bestatter Hilfe und Beistand in der ersten Zeit der Trauer zu erhalten. Gerade dann, wenn es gilt, nach einem Sterbefall die nötigen organisatorischen Maßnahmen zu regeln, ist der Bestatter für sie da und hilft ihnen. Das trifft besonders in der Coronazeit zu, da wegen der vielen neuen Bestimmungen im Umgang miteinander die Mitarbeiter in den Bestattungsinstituten neue Wege der Trauerverarbeitung finden und den Angehörigen vorstellen können. Dazu zählt die digitale Übertragung von Trauerfeiern oder die Möglichkeit von Gedenkfeiern, wenn die Einschränkungen durch Corona aufgehoben wurden. 

Bestatter sind wegen COVID-19 besonders gefordert. Sie leisten ihre Arbeit unter erschwerten Bedingungen. Der Gesetzgeber muss darauf reagieren.

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Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen