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Trauerbegleitung im Trauerchat

Trauerbegleitung ist nötig. Sie unterstützt trauernde Menschen bei der Verarbeitung ihres Verlusts. Die Begleitenden – manchmal selbst Trauernde – sind einfach da, hören zu und schweigen manchmal auch mit der trauernden Person. Heute ist das auch in einem Trauerchat möglich.

Wer kann Trauerbegleitung übernehmen?

Es kann sich um jeden mitfühlenden Menschen handeln. Um eine ärztliche oder psychologische Therapie handelt es sich nicht: Jeder Mensch muss trauern, wenn er von einem schweren Verlust betroffen ist. Er kann dabei von jedem anderen Menschen begleitet werden, der dazu bereit ist. Das bedeutet auch, diese Situation auszuhalten.

Die kirchliche Seelsorge kennt das Bedürfnis von Trauernden und kommt ihm nach, Pfarrer wenden sich Gemeindemitgliedern in Trauer grundsätzlich zu. Jedoch gibt es heute viele Menschen ohne Konfession, denen dieser Kontakt fehlt. Zudem spielt durchaus die Beziehung zur helfenden Person eine Rolle, denn diese soll sich wirklich einfühlen können, während die trauernde Person ihr zutiefst vertrauen muss. Es geht vor allem darum, sich im momentanen Schmerz öffnen zu können. 

Der Gemeindepfarrer kann, muss aber nicht in jedem Fall diese Stütze bieten. Moderne Menschen in westlichen Gesellschaften haben generell das Problem, ihre Trauer nur noch unzulänglich auszuleben. In den letzten Jahrzehnten wurden die Lebensbereiche der Krankheit und des Sterbens aus unserem Lebensalltag zunehmend verdrängt. Dem stellt sich inzwischen zwar die Hospizbewegung entgegen, doch sehr viele von uns verdrängen den Gedanken an das unausweichliche Ende – das eigene und das von Angehörigen – so lange, wie es nur irgendwie geht. Es ist jedoch unausweichlich. Wir müssen uns dem stellen und auch bereit sein, diejenigen Menschen zu begleiten, die momentan von einem Verlust betroffen sind. Dann dürfen wir auf das Glück hoffen, selbst in dieser Situation begleitet zu werden, wenn sie uns trifft.

Welche Formen der Trauerbegleitung gibt es heute?

Schon seit den frühen 1980er Jahren haben sich vielfältige Formen entwickelt, in denen Menschen in ihrer Trauer begleitet werden. Neben der kirchlichen Seelsorge gibt es inzwischen begleitete Trauergruppen und unbegleitete Selbsthilfegruppen, Trauerreisen und Trauercafés. Im Jahr 2014 ist der Trauer Chat für Trauernde von trauer.de hinzugekommen. Er hat sich zu Deutschlands größtem Trauerchat entwickelt und ist auch durch die Berichte in Funk und Fernsehen bekanntgeworden. 

Die Organisationsformen solcher Begleitangebote können rein privater Natur sein und von Einzelpersonen kommen, es können freie Träger dahinterstehen, auch professionelle Angebote von Bestattern gehören dazu. Anzumerken ist, dass es zwar keiner professionellen Ausbildung, sondern vielmehr höchster Herzensbildung bedarf, um eine trauernde Person zu begleiten, doch eine gewisse Schulung etwa der Moderatoren von Chats ist in jedem Fall hilfreich. Dementsprechend stehen dahinter manchmal Psychotherapeuten und manchmal Personen, die einen kirchlichen oder durch einen freien Träger angebotenen Kurs für diese Art der Hilfe absolviert haben. Es sollen gewisse Qualitätsstandards eingehalten werden. Die Begleitung von Trauernden erfordert durchaus Wissen.

Trauerbegleitung im Trauerchat

In diesem Chat treffen sich Trauernde untereinander und mit Chatmoderatoren. Diese sind ausgebildete Trauerbegleiter. Sie verfügen über langjährige Erfahrungen und reagieren verständnisvoll auf jedes vermeintlich noch so komplexe, schwierige und manchmal vom Trauernden als abseitig empfundene Gefühl. 

Praktisch alle Trauernden haben das Gefühl von etwas Unvollständigem. Es blieb zwischen ihnen und der verstorbenen Person etwas „offen“. Das manifestiert sich im Gedanken: „Hätte ich doch am Montagabend noch einmal angerufen! Meine Mutter hat so darauf gewartet!“ – Doch es gibt auch (starke) Schuldgefühle, das Gefühl von großen Versäumnissen und manchmal Zorn gegen die verstorbene Person, die einem vermeintlich etwas schuldig geblieben ist. All das sind Ausdrücke von Trauer, mit denen ein Trauerbegleiter umgehen kann. 

Im Trauerchat lässt sich darüber reden. Anderen Hinterbliebenen geht es genauso. Sie müssen sich gegenseitig nicht erklären, was sie empfinden. Im Trauerchat sind Trauernde sicher. Sie können anonym bleiben. Sie können sich äußern, doch sie können auch nur still den Chat lesen. Es gibt im Trauerchat verschiedene Begegnungsräume. Manche Menschen trauern um Eltern oder Geschwister, andere aber um Kinder und Enkel und wieder andere um die geliebte Frau oder den geliebten Mann. Es ist möglich, im Chatraum mit nur einer einzigen Person zu sprechen. Die Äußerungen im Trauerchat werden vertraulich behandelt und wieder gelöscht. 

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Trauerhilfe Live-Chat

Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen