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Interview mit Kinderhospiz Jona

Im Kinderhospiz Jona arbeiten viele Ehrenamtliche.

Alke Struß macht etwas, das für viele Familien eine große Entlastung ist: Sie arbeitet ehrenamtlich im ambulanten Kinderhospiz Jona. Hier begleitet sie einen elfjährigen Jungen, der schwerst mehrfach behindert ist. Einmal in der Woche nimmt sie sich die Zeit, mit ihm spazieren zu gehen oder zu kuscheln. Gerade kuscheln ist wichtig für den Kleinen, da ihm der Körperkontakt besonders gut tut. Struß ist 46, verheiratet und selbst Mutter von zwei fast erwachsenen Kindern. Seit 2006 engagiert sie sich ehrenamtlich in der Hospizarbeit. Uns hat sie erzählt, wie sie dazu gekommen ist, für das Hospiz zu arbeiten, und welche Momente schwierig und welche besonders schön in ihrem Arbeitsalltag im Kinderhospiz sind.

Trauer.de: Die meisten Menschen versuchen ja, den Tod möglichst weit von sich weg zu schieben, da ist es schon ungewöhnlich, ehrenamtlich in einem Hospiz zu arbeiten. Wie sind Sie dazu gekommen?

Durch einen Zeitungsartikel wurde ich auf den ambulanten Kinderhospizdienst Jona aufmerksam und habe dann einen Infoabend besucht. Hier habe ich gleich beschlossen, einen Vorbereitungskurs zu belegen. Nach dem Vorbereitungskurs habe ich mich dann für die Hospizarbeit entschieden.

Trauer.de: Wenn Sie Angehörigen und schwerkranken Patienten, die überlegen, ob ein Kinderhospizdienst das Richtige für sie ist, einen einzigen Tipp geben könnten, welcher wäre das?

Ich würde Angehörigen ermutigen, die Hilfe von einem Kinderhospiz in Anspruch zu nehmen. Es kann einer Familie für ein paar Stunden in der Woche eine Hilfe sein.

Welchen Aspekt an Ihrer Tätigkeit mögen Sie am meisten?

Es ist schön, jemandem zu unterstützen, der zurzeit Hilfe braucht. Und durch meine Tätigkeit habe ich Menschen kennen gelernt, denen ich wahrscheinlich sonst nie begegnet wäre.

 

Alke Struß vom Kinderhospiz Jona

Trauer.de: In diesem Bereich ist die Gratwanderung zwischen Empathie und dem Abstand, den man selbst zu den Patienten braucht, sicher nicht immer einfach. Wie schaffen Sie das?

Da es um Kinder geht, ist es nicht immer leicht, Abstand zu haben, aber wir haben einmal im Monat Supervision, wo wir uns austauschen und Sorgen loswerden können.

Trauer.de: Sie sprechen ja sicherlich immer mal wieder mit Menschen über Ihre ehrenamtliche Arbeit beim Kinderhospizdienst, die noch nicht damit in Berührung gekommen sind. Wenn Sie sich einmal zurückerinnern, welcher Aspekt an der Arbeit überrascht die meisten von Ihren Gesprächspartnern?

Ich würde gerne mehr mit Menschen über die ehrenamtliche Arbeit beim Kinderhospiz Jona sprechen, aber da es um Kinder geht, möchten viele davon nichts hören. Es kommen dann so Sprüche wie „Schön, dass du das machst, aber ich könnte das nicht.“

Trauer.de: Was war das beeindruckendste Erlebnis, das Sie im Rahmen Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit erlebt haben?

Beeindruckende Erlebnisse sind für mich die Momente, in denen die Kinder und Eltern für einen Moment ein wenig glücklich, gelöst und entspannt sind. Aber auch das Sterben gehört dazu. Als vor vier Jahren mein Betreuungskind mit 13 Monaten gestorben ist, war es schon in den ersten Wochen danach nicht immer einfach für mich.

Trauer.de: Gibt es etwas, von dem Sie unbedingt möchten, dass unsere Leser über Ihr Ehrenamt oder den ambulanten Kinderhospizdienst wissen sollen?

Ambulanter Kinderhospizdienst bedeutet auch, dass man viele schöne Dinge erlebt und nicht nur mit dem Sterben von Kindern konfrontiert ist. Viele Begleitungen gehen über Jahre, und manche Kinder werden wieder gesund, und es wird keine Hilfe mehr gebraucht. Mir hat die Arbeit beim Kinderhospiz Jona neue Bekanntschaften und sogar Freunde gebracht.

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Kai Sender
Sozialarbeiter
Bremen
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