Aharon Appelfeld

Aharon Appelfeld

* 16.02.1932 in Czernowitz
† 04.01.2018
Erstellt von Redaktion Trauer.de
Angelegt am 04.01.2018
1.492 Besuche

Neueste Einträge (5)

Aharon Appelfeld

04.01.2018 um 17:13 Uhr von Redaktion

(geboren am 16. Februar 1932 in Schadowa in der Nähe von Czernowitz als Erwin Appelfeld; gestorben am 4. Januar 2018) war ein israelischer Schriftsteller.

Leben

04.01.2018 um 17:12 Uhr von Redaktion

Aharon Appelfeld wurde 1932 als Erwin Appelfeld geboren. Er wuchs in einem gutbürgerlichen Haushalt in Czernowitz auf, das von ihm als Kultur- und Universitätsstadt wahrgenommen wurde.[1] Mit seinen Eltern sprach er Deutsch (und sprach es weiterhin fließend), mit seinen Großeltern Jiddisch, mit anderen Menschen oft Ukrainisch.

Als er acht Jahre alt war und die erste Klasse der Grundschule hinter sich hatte, wurde seine Mutter von rumänischen Antisemiten umgebracht und er gemeinsam mit seinem Vater in ein Zwangsarbeitslager (er bezeichnete es 2011 nicht als KZ) im eroberten Transnistrien verschleppt, wo er vom Vater getrennt wurde. Es gelang ihm zu fliehen, sich in den Wäldern versteckt zu halten und später als Gelegenheitsarbeiter auf rumänischen Bauernhöfen zu arbeiten. „Ich war blond und blauäugig“, erinnerte sich Appelfeld, dem es gelang, seine jüdische Identität zu verbergen und sich als Ukrainer auszugeben.[1] 1944 schloss sich Aharon Appelfeld den westwärts vorrückenden Truppen der Roten Armee als Küchenjunge an.

Nach Kriegsende erreichte er 1946 mit anderen Flüchtlingen über Italien Palästina, wo er Hebräisch lernte und die Hochschulreife erwarb. Danach studierte er an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Von 1975 bis zu seiner Emeritierung 2001 war Appelfeld Professor für hebräische Literatur an der Ben-Gurion-Universität des Negev in Be’er Scheva.

Völlig überraschend[2] erfuhr er erst in den 1950er Jahren vom Überleben seines Vaters, bevor dieser aus der Sowjetunion nach Israel einwanderte und mit seinem Sohn zusammengeführt wurde.[3]

Zum Ende der 1950er Jahre veröffentlichte er erste Erzählungen in hebräischer Sprache, in denen er Probleme der Überlebenden der Judenverfolgung beschreibt. Darüber hinaus fand die verlorene Welt seiner Kindheit immer wieder Eingang in seine Literatur. In seinem Werk beschäftigte sich Appelfeld hauptsächlich mit Schicksalen jüdischer Menschen in einer von Multikulturalität geprägten Gesellschaft.

International wurde Appelfeld mit dem Erscheinen der englischen Übersetzung seines Romans Badenheim (1980) bekannt, für Der Eiserne Pfad wurde er 1999 mit dem National Jewish Book Award ausgezeichnet.

Mit seiner aus Argentinien nach Israel eingewanderten Ehefrau Judith hatte er drei Kinder und lebte zuletzt im Ort Mewasseret Zion westlich von Jerusalem.[2]

Auszeichnungen

04.01.2018 um 17:12 Uhr von Redaktion

Appelfeld erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen für sein literarisches und akademisches Schaffen.[4] Er wurde unter anderem mit folgenden Preisen ausgezeichnet:

Werke

04.01.2018 um 17:11 Uhr von Redaktion

deutsche Ausgaben, zeitlich absteigend

  • Meine Eltern. Roman. Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler. Rowohlt, Berlin 2017, ISBN 978-3-7371-0031-1.
  • Ein Mädchen nicht von dieser Welt. Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler. Rowohlt, Berlin 2015
  • Auf der Lichtung. Roman (Originaltitel: ?Ad ?od ha-tsa?ar, übersetzt von Mirjam Pressler). Rowohlt, Berlin 2014, ISBN 978-3-87134-771-9.
  • Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen. Roman. Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler. Rowohlt, Berlin 2012, ISBN 978-3-87134-732-0.
  • Katerina. Roman. Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler. Rowohlt, Berlin 2010, ISBN 978-3-87134-680-4.
  • Bis der Tag anbricht. Roman. Übersetzung von Anne Birkenhauer. Rowohlt, Berlin 2006 ISBN 3-87134-538-5 [5]
  • Meine Geschichte ist eigentlich undenkbar. In: Martin Doerry (Hrsg.) und Monika Zucht (Fotos): Nirgendwo und überall zu Haus. Gespräche mit Überlebenden des HolocaustDVA, München 2006, ISBN 3-421-04207-1. (auch als CD), S. 16–27.[6]
  • Blumen der Finsternis. Roman. Rowohlt, Berlin 2008. ISBN 978-3-87134-585-2.[7]
  • Elternland. Roman, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2007, ISBN 3-87134-551-2.
  • Der eiserne Pfad. Roman. Übersetzung von Stefan Siebers. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2006, ISBN 978-3-499-24146-8.
  • Geschichte eines Lebens. Autobiographie. Rowohlt, Berlin 2005, ISBN 3-87134-508-3.
  • Tzili. Roman. Übersetzung von Stefan Siebers. dtv, München 2005, ISBN 3-423-13307-4.
  • Alles was ich liebte. Roman. Fest, Berlin 2002, ISBN 3-8286-0128-6.
  • Zeit der Wunder. Roman. Übersetzt von Ute Spengler, dtv, München 2002, ISBN 3-423-12996-4.
  • Badenheim. Roman. dtv, München 2001, ISBN 3-423-12929-8.
  • Für alle Sünden. Roman. Übersetzung von Stefan Siebers. dtv, München 2000, ISBN 3-423-12845-3.
  • Die Eismine. Roman. Fest, Berlin 2000, ISBN 3-8286-0068-9.
  • Der unsterbliche Bartfuß. Roman. Übersetzung von Stefan Siebers. Rowohlt, Reinbek 1995, ISBN 3-499-13171-4. (Deutsche Erstausgabe bei: Hoffmann & Campe, Hamburg 1991, ISBN 3-455-00172-6.)

Literatur

04.01.2018 um 17:10 Uhr von Redaktion